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Sandra Ebenschwanger wird neue Pflegedienstleitung bei Lebenswert.

Sandra Ebenschwanger

Vom „Dienst am Bett“ in die Pflegedienstleitung: Das Porträt einer waschechten Pflegerin, die mit ihrer Leidenschaft, anderen Menschen zu helfen, Karriere gemacht hat.

Offen sein für Neues, Dinge ausprobieren, die man nicht kennt und sich einfach mal auf sein Bauchgefühl verlassen: Mit dieser Einstellung hat sich Sandra Ebenschwanger schon so manche berufliche Chance erarbeitet. Im nachfolgenden Selbstporträt erfahren wir von der frisch gebackenen Pflegedienstleiterin (PDL) und Atmungstherapeutin, alles über ihren persönlichen Aufstieg in der Intensivpflege und warum strukturiertes Handeln der Schlüssel zum Erfolg sein kann.

Ich wusste nicht, was ich tat, aber es machte Spaß.

Ehrlich gesagt habe ich mich nie bewusst für den Pflegeberuf entschieden, sondern hatte vor, nach dem Abitur Veterinärmedizin zu studieren. In der 11. Klasse bin ich dann erstmals im Rahmen eines sozialen Praktikums mit dem Pflegeberuf in Berührung gekommen. Ich entschied mich, nicht wie von der Schule vorgeschlagen für den Kindergarten, sondern für ein Praktikum im Bezirksklinikum Wöllershof. Dort wurde ich in Haus 14, also in der geschlossenen Gerontopsychiatrie eingesetzt. Anfangs wusste ich überhaupt nicht, was ich da sollte und tat. Aber irgendwie machte es mir Spaß und ich fand schnell einen Draht zu den Patienten. Die Pflegekräfte dort legten mir deshalb eine Ausbildung als Krankenschwester ans Herz.

Eine Zeit voller Tiefen und Tränen.

Weil ich aufgrund „wichtiger“ Termine wie Shoppen und Kaffeetrinken mein Klassenziel der elften Jahrgangsstufe deutlich verfehlt hatte, beschloss ich, meine Schullaufbahn gleich ganz an den Nagel zu hängen und direkt ins Berufsleben einzusteigen. Dummerweise war zu diesem Zeitpunkt die Bewerbungsfrist für eine Ausbildung zur Krankenschwester schon abgelaufen. Ich absolvierte deshalb ein freiwilliges soziales Jahr im Klinikum Weiden. Eine Zeit mit vielen Tiefen und Tränen, denn die Schwestern auf meiner Station machten mir die Arbeit alles andere als einfach. Eine willkommene Ausnahme waren die Schwestern und Pfleger einer anderen Station, die mir fast die gesamten Ausbildungsinhalte des ersten Lehrjahres in kürzester Zeit beibrachten.

Nach diesem Jahr begann ich meine dreijährige Ausbildung, an die ich wirklich gerne zurückdenke. Allerdings gab es im Jahr 2004 einen enormen Überschuss an Krankenschwestern und ich musste in die Fachrichtung „Altenpflege“ wechseln. Bis August 2014 war ich dann in verschiedenen Einrichtungen und Positionen tätig.

Ein paar Notfälle, die mein Leben veränderten.

So auch im Lebenszentrum Phönix in Mitterteich. Während meiner Arbeit dort wurde ich immer wieder zu Notfallsituationen auf den „Phase-F-Bereich“ (Wachkoma-Patienten, beatmete und tracheotomierte Patienten) hinzugezogen. Diese Situationen, in denen es wirklich um Leben und Tod ging, lösten etwas in mir aus. Das Bedürfnis für Menschen in Grenzsituationen da zu sein und sie mit meinem Fachwissen zu unterstützen. Ein Arbeitskollege riet mir deshalb, mich bei Lebenswert zu bewerben. Die würden immer gute Schwestern suchen, hieß es.

Sandra Ebenschwanger

Mein Start im Intensivpflegeteam.

Nach einem sehr netten Bewerbungsgespräch mit Nermin Karbstein unterschrieb ich den
Vertrag und hatte am 16. August 2014 meinen ersten Arbeitstag im Intensivpflegeteam. Dort startete ich als normale Pflegefachkraft in der außerklinischen Intensivpflege in der WG in Tirschenreuth. Als Aufbau-Unterstützung wechselte ich im Mai 2015 in die neu eröffnete WG nach Altenstadt, wo ich erfolgreich eine Weiterbildung zur Pflegeexpertin für Intensivpflege und Beatmung absolvierte.

Ende des Jahres rief mich Wolfgang Karbstein zu sich ins Büro und erzählte mir, dass er für die WG in Selb eine Teamleitung benötigte. Diese sollte Struktur reinbringen und auch mal, wie es Wolfgang schmunzelnd umschrieb, mit „eisernem Besen durchkehren. “

Ein lachendes und ein weinendes Auge.

Ich kann mich noch sehr gut an die erste Teambesprechung in Selb erinnern, bei der die Geschäftsführung mich als künftige Leiterin vorstellte. So viel sei verraten: freudige Gesichter sahen anders aus. Am 1. Januar 2016 trat ich den Posten an und siehe da … nach etwa acht Monaten lief die WG Selb schon fast wie am Schnürchen und ganz ohne den ominösen „eisernen Besen“.

Das hat sich natürlich auch schnell rumgesprochen. Ende des Jahres erhielt ich erneut eine Einladung ins Chefbüro. Dabei wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für drei Monate in die WG nach Hof zu wechseln. Auch dort sollte ich wieder den strukturellen Aufbau unterstützen. Und ja, natürlich konnte ich mir das vorstellen. Denn wenn ich etwas kann, dann ist es Strukturen zu schaffen und interne Abläufe zu optimieren!

Schneller als geplant wechselte ich kurz vor Weihnachten 2016 nach Hof. Aus den geplanten drei Monaten wurden ganze zwei Jahre. Jetzt bin ich gerade dabei, die WG an meine Nachfolgerin zu übergeben – mit einem lachenden und einem weinenden Auge, schließlich sind wir die Patienten und Teammitglieder dort sehr ans Herz gewachsen.

Auch ein bisschen an mich selbst gedacht – mein Aufstieg zur PDL.

Meine Entscheidung in die Pflegedienstleitung zu wechseln, hatte letztendlich mehrere Gründe. Zum einen war es mal wieder mein Chef, der mir diese Position besonders schmackhaft gemacht hatte. Zum anderen sah ich hier eine optimale Möglichkeit mein Know-how als Respiratory Therapist in den Pflegealltag mit einzubringen. Eine Weiterbildung, die ich seit Juni 2017 nebenberuflich absolvierte.

Und zugegeben: ein bisschen hab ich dabei auch an mich selbst gedacht. Schließlich benötigte auch mein Privatleben mal wieder etwas mehr Struktur. Das kam die letzten Jahre auf der Karriereleiter schon irgendwie zu kurz.

Sandra Ebenschwanger

Man muss auch mal Tacheles reden.

Auf jeden Fall werde ich auch in der PDL sehr davon profitieren, dass ich bereits in allen WGs gearbeitet habe. Ich kenne viele Schwachstellen und fast alle Mitarbeiter. Das ist wichtig, schließlich kann man nur ein guter Leiter sein, wenn man selbst alle Tätigkeiten an der „Base“ mal gemacht hat.

Als PDL hab ich mir vorgenommen, die Mitarbeiter durch mein Fachwissen zu unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Aber auch mal Tacheles zu reden, wenn etwas nicht gut läuft. Ansonsten lasse ich das erst mal auf mich zukommen. Ich bin niemand, der große Pläne schmiedet. Mein größter Berater ist und bleibt mein Bauchgefühl.

Wer Bock drauf hat, der pflegt auch gut.

Ich werde oft gefragt, warum gerade Pflege bzw. Intensivpflege? Die Antwort ist ganz einfach: Ich kenne keinen Beruf, bei dem ich mein Herz und meine zwei Hände besser für andere Menschen einsetzen kann.

Natürlich reicht das alleine nicht aus, um diesen so verantwortungsvollen Job zu bewältigen. Als Pflegefachkraft muss man körperlich fit sein. Man braucht Ohren, die zuhören können, einen Mund, um mit den Bewohnern zu sprechen und ein breites Kreuz, um die Belastungssituation in der Pflege zu bewältigen.

Was von vielen oft unterschätzt wird, ist für mich der wohl wichtigste Soft Skill in der Pflege überhaupt: der feste Wille pflegen und helfen zu wollen. Jemand, der „Bock“ auf seinen Beruf hat, der pflegt auch gut. Dazu kommt die Bereitschaft im Team zu spielen. Team heißt ja nicht – toll, ein anderer macht’s, sondern dass wir diesen so anstrengenden und fordernden Job gemeinsam anpacken.

Als Pfleger sind wir zudem auf eine gute Beobachtungsgabe angewiesen. Viele unserer Bewohner sind in ihrer verbalen Kommunikation stark eingeschränkt. Deshalb ist die Wahrnehmung kleinster Veränderungen an Atmung, Körperhaltung und Vitalwerten meist ein Anzeichen für Unwohlsein oder aber auch Wohlbefinden, das erkannt und interpretiert werden muss. Des Weiteren benötigt man ein paar Englisch-Kenntnisse, um die Beatmungssprache zu verstehen und ein bisschen technisches Verständnis. Den Rest kann man lernen.

Es gibt Dinge, auf die kannst Du Dich einfach nicht vorbereiten.

Natürlich muss man im Intensivpflege-Alltag auch auf so manches gefasst sein. Ein Ereignis, das mich bei Lebenswert besonders geprägt hat, war das Versterben meines ersten beatmeten Bewohners. Ich habe ja schon viele Menschen auf dem letzten Weg begleitet, aber die Situation an einer Beatmungsmaschine ist noch einmal etwas ganz anderes. Ich kann es kaum in Worte fassen, aber der Rückhalt und das Verständnis, das mir von der Leitungsebene entgegengebracht wurde, sind beispiellos.

Durch diese Unterstützung kann ich Bewohner, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, auch weiterhin palliativ begleiten. Das alleine trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich derartige Situationen gut bzw. besser verarbeiten kann.

Mein perfekter Ausgleich zum Pflegealltag.

Bei all der Leidenschaft und Motivation für den Pflegeberuf darf man sich selbst jedoch nicht vergessen. Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich zum Beispiel gerne auf Mittelaltermärkte. Ich genieße dieses Flair, die urige Musik und Feuershows. Ich liebe es, mich zu verkleiden und bin im Fasching generell wenig in der Arbeit anzutreffen. Da nehme ich mir dann lieber Urlaub.

Um richtig runterzukommen fahre ich zu meinem vier Jahre alten Patenkind Leon. Egal ob wir gemeinsam Schnecken im Garten entdecken, Fußball spielen oder einfach nur rumalbern. Das ist mein perfekter Ausgleich.

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