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Irgendwo in Äthiopien! Ein persönlicher Rückblick von Wolfgang Karbstein auf eines der bewegendsten und prägendsten Erlebnisse seines Lebens.

Es gibt Momentaufnahmen, die sich fest in das Gedächtnis einprägen, uns verändern, unser künftiges Handeln beeinflussen und unsere „Probleme“ auf einmal ganz klein werden lassen. Zwei von diesen besonderen Erfahrungen waren meine Expeditionen nach Äthiopien in den Jahren 2010 und 2011, als ich gemeinsam mit ein paar engagierten Kollegen eine stillgelegte Augenoptik-Station in einer afrikanischen Klinik aufbauen durfte.

Als gelernter Augenoptiker und damaliger Geschäftsführer eines Augenoptikbetriebes erhielt ich 2010 vom RC Stiftland das Angebot, eine Augenoptik-Klinik in einem bereits bestehenden, afrikanischen Klinikzentrum mit aufzubauen. Und das nicht irgendwo, sondern in Äthiopien – einem der ärmsten und bedürftigsten Entwicklungsländer unserer Welt.

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Zurück zu den Anfängen der Zivilisation

Ohne lange nachzudenken und gemeinsam mit meinem früheren Auszubildenden und Augenoptikermeister Florian Wagner begaben wir uns auf diese spannende Mission nach Debre Marcos, einer 60.000 Seelen-Gemeinde ca. 300 km nördlich der Hauptstadt Addis Abeba mitten im Hochland Äthiopiens. Man kann sich im Vorfeld noch so viel ausmalen und doch schaut die Realität vor Ort dann immer ganz anders aus. Mit meinem ersten Besuch in diesem armen aber doch so wundervollen Land wurde mir sofort klar: hier sind die Zivilisationsuhren nahezu auf Null stehen geblieben. Doch nicht nur die Infrastruktur, gerade die hygienischen Rahmenbedingungen und die medizinische Versorgung im Klinikzentrum übertrafen in negativer Hinsicht meine Erwartungen. Hier musste geholfen werden und am besten sofort und so schnell wie möglich.

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Die Aufgabe – der Aufbau einer Augenoptiker Klinik

In einem ersten Schritt legten wir gemeinsam mit Hand an, um die Renovierung des maroden und stillgelegten Augenklinik-Gebäudes voranzutreiben. Im nächsten Step bestand meine Aufgabe unter anderem in der Bestandsaufnahme sowie der Aus- und Weiterbildung aller angestellten Mitarbeiter. Zwischen meinen zwei Hauptbesuchen organisierte ich von Deutschland aus Werkstattgeräte, Brillenfassungen und Brillengläser mit verschiedenen Stärken. Zurück in Äthiopien wurden alle neuen Materialien sortiert, die angestellte Optikerin instruiert und alle neuen Geräte aufgebaut. Während des zwei-jährigen Projekts legten wir unter der Schirmherrschaft des Rotary Clubs den Grundstein für eine langfristige und solide augenärztliche Versorgung der gesamten Region.

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Unvergesslich!

Kurz vor unserer endgültigen Abfahrt von Debre Marcos nach Addis Abeba wollten wir nochmals abschließend im Hospital vorbeischauen. Dort angekommen, kam ein alter Mann, optisch aussehend wie Methusalem, und gab mir seine in der Mitte zerbrochene Brille mit ca. +12 Dioptrien. Wer sich in der Optik etwas auskennt, weiß, dass dieser Mann ohne Brille so gut wie blind war. Wir verschoben unsere Abreise kurzerhand und ich erledigte schnell noch die Reparatur. Nach ca. einer halben Stunde konnte ich dem alten Mann seine Brille wieder übergeben. Er gab mir ein Zeichen, was es kostet. Ich machte eine Handbewegung, damit er versteht, dass es mein Geschenk an ihn sei. Er nahm mich in den Arm, schaute, machte eine Geste in den Himmel und drückte mich ab. Ein Gefühl der Dankbarkeit, dass bis heute noch in mir nachwirkt.

Ein weiterer dieser unvergesslichen Momente ereignete sich beim Besuch im „Kinderblindenheim“ von Ulrike Hohmann, eine passionierte Augenärztin ebenfalls aus Deutschland. Bei unseren Besuchen bringen wir regelmäßig Getränke und Essen mit. Gerade Limo gibt es dort nur einmal im Jahr, eben immer dann, wenn wir zu Besuch sind.
Beim Ausschenken beobachtete ich ein etwa zwei-jähriges Kind, das gerade zum ersten Mal in seinem Leben Limo probiert hatte. Leider hatten wir nur vier Kisten von dieser Sorte transportieren können, so dass bereits der ganze Vorrat aufgebraucht war. Das kleine Kind weinte so herzzerreißend, dass ich mein ganzes Leben an diesen Gesichtsausdruck zurückdenken werde. Als ich wieder zu Hause angekommen war, passierte beim ersten Mittagessen, was passieren musste. Unsere Große hat ihre Limo umgeschüttet… Das war der erste Weg zurück in unsere Welt des Konsums, des Überflusses und der Selbstverständlichkeit. Natürlich brauchte ich hier erst wieder etwas Zeit, mich an das alte, neue Umfeld zu gewöhnen. Schließlich konnte ich mir in jedem Laden um die Ecke eine Limo kaufen.

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Ein Impuls auch in Deutschland Dinge in Gang zu bringen – ein Impuls für Lebenswert!

Die Entscheidung, ein Intensivpflege-WG-Netzwerk in Deutschland aufzubauen, beruht sicher auch zu einem Großteil auf meinen in Afrika erlebten Eindrücken und der Lebenseinstellung, Umstände zu verbessern und Menschen in Grenzsituationen zu helfen.

Gemeinsam mit meiner Frau Nermin Kaya, die bereits seit vielen Jahren in der Intensivpflege tätig war und mir regelmäßig von den Missständen im Pflegealltag berichtete, beschlossen wir, unsere eigene Lösung für eine lebenswerte Intensivpflege zu finden.

Seitdem versuche ich, die in Äthiopien erfahrene Menschlichkeit in jeder Geschäftslage zu transportieren, mit all meinen Angestellten zu sprechen, ggf. auch im privaten Bereich zu helfen, wo es nur geht. Das bedeutet für uns auch nach wie vor, das Projekt in Äthiopien monetär als auch organisatorisch zu unterstützen. Wir freuen uns schon jetzt auf unseren nächsten Besuch im Land der Wertschätzung und der Herzlichkeit!

Ihr Wolfgang Karbstein
Geschäftsführer der Lebenswert – Ambulantes Intensivpflegeteam Nordbayern GmbH

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